Donnerstag, 2. Februar 2012

Die Inquisition der Gegenwart und ihre Doppelmoral

1978 verbrannten sich in Berlin zwei Anhänger der indischen Gurubewegung Ananda Marga, um gegen die Inhaftierung ihres Guru in Indien zu protestieren Dies wurde für die Evangelische Kirche in West-Berlin Anlass eine Arbeitsstelle einzurichten, die sich mit „Jugendreligionen“ befasst.
http://www.freitag.de/community/blogs/christianberlin/30-jahre-sektenjagd-in-absurdistan-thomas-gandow-
Dass es diese Aktion der Selbstverbrennung war, die für gewisse Kirchenvertreter Anlass bot, gezielte Propaganda gegen die neu entstandene Konkurrenz auf dem Weltanschauungsmarkt zu betreiben, ist deshalb so auffällig, weil es zeitnah gerade Fälle von evangelischen Pfarrern gab, die diese besonders schockierende Form der Selbsttötung als Mittel des Protestes gebrauchten:
1976 verbrannte sich Oskar Brüsewitz aus Protest gegen das kommunistische Regime in der DDR, so wie es in der Tschechoslowakei nach der Niederschlagung des Prager Frühlings zwei Fälle von jungen Menschen gab, die auf diese Weise protestierten. 1978 verbrannte sich – ebenfalls in der DDR - Rolf Günther im Gottesdienst vor dem Altar im Zusammenhang mit einem innerkirchlichen Konflikt. 2006 verbrannte sich der Pfarrer Roland Weißelberg, um seiner Sorge vor der Ausbreitung des Islam Ausdruck zu verleihen.
Dies sind natürlich Ausnahmefälle, die nicht der typischen Mentalität der evangelischen Kirche entsprechen und der letzte Fall auch nicht gerade nachvollziehbar erschien, aber das lässt eben den verzerrten Maßstab bei den Kampagnen und Diskussionen um die „Sekten“ erkennen: im Falle der Ananda Marga wird selbstverständlich davon ausgegangen, dass jene Selbstmorde in der Lehre begründet sind und mehr noch: es wird als selbstverständlich suggeriert, dass diese Selbstmörder Opfer von Gehirnwäsche sind, so dass gar nicht der Gedanke aufkommen soll, dass es sich um freie Entscheidungen aus tiefer Überzeugung und ernster Empörung gegen Unrecht handelt, wovon man bei den Selbstverbrennungen, die im Ostblock aus Protest gegen die totalitären Regime stattfanden, zunächst ausgehen würde. Oskar Brüsewitz wird für seine Tat selbstverständlich ernstgenommen und als mutiger Widerstandskämpfer angesehen. Im Fall von Rolf Günther sind die Beweggründe nicht eindeutig geklärt. Jedenfalls scheinen dabei innerkirchliche Kämpfe und Intrigen eine Rolle gespielt zu haben. Wenn diese allerdings so schwerwiegend sind, dass sie solche Folgen nach sich ziehen, sollte dies auch bedacht werden, wenn im Zusammenhang mit Sekten von psychischen Gefahren gesprochen wird. Der Vergleich wie Vertreter der evangelischen Kirche mit dem Phänomen der Selbstverbrennung in den eigenen Reihen einerseits und bei einer indischen Gurubewegung andererseits umgehen, zeigt also eine erstaunliche Doppelmoral.
Außerdem ist es schon sehr merkwürdig, in einer weitgehend säkularisierten Gesellschaft, in der die Kirchenbindung eine immer geringere Rolle spielt, ausgerechnet in exotischen und verhältnismäßig kleinen Gruppen eine besondere Gefahr für die Kirchenmitglieder zu sehen. Man sah die Gefahr einer solchen Abwanderung wohl hauptsächlich gegeben durch die zufällige Tatsache, dass einer der an der Selbstverbrennungsaktion der Ananda Marga Beteiligen Sohn eines Pfarrers war. Mittlerweile ist es wohl eindeutig, dass der Schwund an Kirchenmitgliedern und die schwindende kirchliche Prägung der Gesellschaft wohl eher an zunehmender Säkularisierung und Atheismus liegt und das Auftreten neuer religiöser Bewegungen eher eine Folge davon ist; obwohl die Gesellschaft auch damals schon faktisch weitgehend säkularisiert war, schlug sich dies noch kaum in abnehmender Kirchenmitgliedschaft nieder, so dass einige Kirchenleute aus einer gewissen Verbohrtheit heraus in irgendwelchen exotischen Glaubensrichtungen eine ernsthafte Gefahr für die eigene Kirche und davon ausgehend auch für die Gesellschaft zu sehen. Da statistisch um 1978 die Mitgliedschaft der etablierten Kirchen noch weitgehend mit der bundesdeutschen Gesellschaft identisch war, wurde eine mögliche Abwanderung von Mitgliedern zu ganz anderen Glaubensrichtungen offenbar auch als Angriff auf die Grundlagen der Gesellschaft gesehen, zu dessen Wächtern sich weite Teile der Kirchenführungen berufen sehen.
Wer die Haltung von solchen Sektenbeauftragten wie Gandow teilt, hat offenbar nicht ganz begriffen, was es bedeutet in einer pluralistischen Gesellschaft zu leben. Eigentlich müsste es doch selbstverständlich sein, dass in einer solchen auch unseriöse Gruppierungen zu dulden sind, solange sie sich an Recht und Gesetze halten und sich aufgrund der freien Entscheidung erwachsener Menschen bilden. Eine kircheninterne Arbeitsstelle kann natürlich den Kirchenmitgliedern Orientierung bieten, sich aber nicht anmaßen, dass ihre Maßstäbe allgemeinverbindliche Grundlage auch für Außenstehende sind.

Auf dieser Seite, die vom katholischen Sektenbeauftragten für Sachsen verantwortet wird, werden die Anschuldigungen gegen den Guru Sarkar von Ananda Marga einfach als Tatsachen behauptet und nicht erwähnt, dass er wegen mangelnder Beweise freigesprochen wurde.

Am Anfang stand bei der Einrichtung der Sektenbeauftragten ganz klar das Motiv, die Kirchenmitglieder vor fremden Glaubenslehren zu schützen. Das wäre ja noch nichts Besonderes, wenn dies tatsächlich nur eine interne Angelegenheit wäre. Doch damals bestand die Gesellschaft eben noch flächendeckend aus getauften Kirchenmitgliedern. Nun verstanden es diese Leute geschickt, das Anliegen der Klärung von Glaubensfragen mit dem Aspekt der Sozialschädlichkeit sogenannter Sekten zu vermischen. So entsteht der Eindruck, dass die Glaubenswächter nur besorgte Bürger sind, die vor den psychischen Gefahren totalitärer Bewegungen warnen. Allerdings fallen diese Aspekte ja tatsächlich zusammen, wenn man die Abweichung vom kirchlichen Glauben als Weg ins Verderben in jeder Hinsicht ansieht. Nur dies sagen die Sektenbeauftragten natürlich nicht explizit, denn dann wäre ja offensichtlich, dass sie sich in ihrem Absolutheitsanspruch gar nicht von den Sekten unterscheiden, denen sie einen solchen vorwerfen.

Wie fragwürdig das Vorgehen der Sektenbeauftragten, besonders denen aus der evangelischen Kirche, ist, schon von der Grundannahme, dass die Gesellschaft vor bestimmten religiösen Bewegungen geschützt werden muss, noch unabhängig davon, ob diese sich etwas zuschulden kommen lassen, sondern allein aufgrund ihrer Lehre, das wird besonders deutlich von dem ehemaligen katholischen Theologen Hubertus Mynarek in „Die neue Inquisition“ herausgestellt. Beachtung findet dies wenig. Eher beachtet, aber sehr angegriffen wurde die Studie des evangelischen Theologen Gerhard Besier: „Die neuen Inquisitoren“
Siehe auch die Dissertation von Frank Usarski, noch einmal im Hinblick auf die Anfänge in den 70er Jahren.

http://www.confessio.de/cms/website.php?id=/religionheute/grundlagen/missverstaendnisse_bei_maischberger.html Die Kritik von Gerhard Besier, der von der Religionsfreiheit ausgeht, wird damit gekontert, dass es Gandow nicht um die religiöse, sondern um die ethische Ebene geht, dass es also nicht um die Glaubensinhalte, sondern um die kriminellen Machenschaften bei den Sekten ginge. Es wird verhehlt, dass es bei der Einrichtung der Sektenbeauftragten sehr wohl darum geht, vom eigenen religiösen Standpunkt aus konträre Lehren zu bekämpfen, um Seelen zu retten, wie man auch an dem Wahlspruch Gandows sehen kann: Hier steht explizit, dass es um Apologetik, für die „richtige“ Kirche geht. Dass im ersten Abschnitt noch so getan wird, als seien die kirchlichen Sektenbeauftragten objektive Experten, die auch für konfessionell Nichtgebundene hilfreiche Orientierung und Information bieten können, da sie die Gewissensfreiheit des Menschen achten, ist also eine grobe Irreführung. Vielmehr kommt hier ein Verständnis des Verhältnisses von Glaubenswahrheit und gesellschaftlicher Realität zum Vorschein, das dem der katholischen Kirche vor dem Zweiten Vatikanum entspricht, nämlich dass die Glaubenswahrheit des eigenen Bekenntnisses auch Vorrechte in der Gesellschaft beanspruchen kann. So kommt hier durch die Hintertür ein Fundamentalismus zum Vorschein, der sich als Bekämpfung fundamentalistischer Tendenzen tarnt. Es erscheint besonders kurios, da die evangelischen Kirchen nicht wie die römisch-katholische ein verbindliches Lehramt haben und gerade die deutschen Landeskirchen intern bis zur Beliebigkeit tolerant sind, dort jedenfalls sehr verschiedene gegensätzliche Strömungen nebeneinander existieren können, so dass kaum erkennbar ist, wofür die ganze Institution eigentlich genau steht. Während die katholischen Glaubenswächter hauptsächlich gegen Abweichler in den eigenen Reihen vorgehen, wenden sich die evangelischen hauptsächlich gegen fremde exotische Glaubensrichtungen, eben gegen „Sekten“. Diese Diskrepanz zwischen inquisitorischem Eifer nach außen und weitgehender Beliebigkeit nach innen, legt nahe, dass es vielen Sektenbeauftragten gar nicht so sehr um den inhaltlichen Kampf um Anschauungen geht, sondern eher nur um die Bekämpfung der institutionellen Konkurrenz. Dazu passt auch folgendes: http://www.pfarrverein-ekbo.de/blog.php?blog=36 Sri Sri Ravi Shankar wird verspottet wegen des Aussagenbildes, dass sich Religion zu Spiritualität verhalte wie die Bananenschale zur eigentlichen Banane. Dass eine solche Aussage nicht im Sinne von konfessionellen Glaubenswächtern ist, liegt auf der Hand, ist aber in diesem Fall besonders absurd, weil in evangelisch-landeskirchlichen Kreisen sich schnell unbeliebt und des Fundamentalismus verdächtig macht, wer zu stark die Unterschiede der Religionen betont. Die evangelische Kirche behauptet sich durch ihre Kirchentagsmentalität, d.h. dadurch, dass sie ein buntes Sammelsurium verschiedener christlicher Strömungen und auch sehr alternativer Religiosität unter ihrem Dach als eine Art Markt der Möglichkeiten duldet, solange es sich in den Rahmen ihrer Institution einfügt und diese nicht allzu deutlich kritisiert oder sich von ihr separiert. Sehr beispielhaft dafür ist der Pfarrer Jürgen Fliege, der schon lange dafür bekannt ist, nur noch wenig mit dem traditionellen Protestantismus zu tun zu haben und eine alternative Spiritualität zu propagieren, aber erst in letzter Zeit, wo er schärfere Kritik an der Institution der Kirche übt, löst er gerät er auch selbst stärker ins Kreuzfeuer der Kritik. Die Rede vom interreligiösen Dialog meint oft nur den zwischen den abrahamitischen Religionen, obwohl die Frage ist, ob nicht gegenüber den fernöstlichen Religionen nicht manche Anknüpfungspunkte stärker sind. Genauer gesagt wirken eben verschiedene Kräfte in derselben Institution. Es gibt auf der einen Seite Kirchentage und ähnliche Veranstaltungen, die den Kirchen ein tolerantes und offenes Image geben und auf der anderen Seite gewisse Sekten- und Weltanschauungsbeauftragte, die jede Abweichung von der reinen Lehre bekämpfen. Der auffällige Unterschied zwischen der katholischen und der evangelischen Kirche in Deutschland ist nun aber, dass die katholischen Hardliner diesen Kampf vor allem intern führen, wo sie auch schon viel zu tun haben. Die evangelische Kirche ist dagegen intern weitgehend tolerant geworden und ihre Weltanschauungsbeauftragten konzentrieren sich seit den 70er Jahren eher auf exotische Splittergruppen, in denen sie eine wachsende Gefahr sehen. Diese Diskrepanz bringt dann auch wieder ein Messen mit zweierlei Maß mit sich, dadurch dass oft die gleichen Sonderlehren, die in den eigenen Reihen weitgehend toleriert werden, bei anderen Gemeinschaften als Zeichen von deren sektiererischem und nicht-christlichem Charakter sein sollen. Die gleichen Inhalte sind offenbar nicht so gefährlich, wenn sie sich in den Rahmen der eigenen kirchlichen Institution einfügen und ihr keine Konkurrenz machen. (Zu diesem Schluss kommt auch Hubertus Mynarek.)So gelten die Zeugen Jehovas, das Universelle Leben als außerhalb des eigentlichen Christentums stehend, weil sie u.a. die Dreieinigkeit und die Göttlichkeit Jesu ablehnen; teilweise wird sogar gegen die Anthroposophen dieser Vorwurf erhoben, obwohl hier gerade das Gegenteil der Fall ist. Jedoch gibt es im Mainstream der Basis der Volkskirchen viele Stimmen, die auch stark diese beiden Dogmen bezweifeln, vor allem in der namhaften Zeitschrift Publik-Forum.

Gegen eine solche Weltanschauungsarbeit wäre ja gar nichts einzuwenden, wenn dabei der apologetische Zweck klar benannt und nicht ein öffentliches Interesse vorgespielt werden würde und diese Apologetik mit sachlicher Information über die anderen Weltanschauungen und deren Unterschiede zur eigenen arbeiten würde statt mit reißerischer Diffamierung. Dass dies offenbar nicht möglich ist, deutet daraufhin dass die Verantwortlichen in einer Religiosität, die allzu sehr von der eigenen Lehre und den gewohnten kirchlichen Formen abweicht, schon als solches eine Gefahr für die Seelen und für die öffentliche Ordnung sehen, so dass es keine sachliche Auseinandersetzung geben kann. Also wird genau das praktiziert, was fundamentalistische Richtungen offen aussprechen und was den Sekten teilweise zum Vorwurf gemacht wird. Als gleichberechtigte Partner gelten offenbar nur solche Gemeinschaften, die sich innerhalb des ökumenischen Konsenses befinden (auch wenn sie in der Tat klein sind; insofern stimmt der Einwand, dass es nicht einfach um die Bekämpfung kleiner Gemeinschaften geht, wie bei der erwähnten Diskussion zwischen Gandow und Besier.) oder solche, wenn es sich um fremde Religionen handelt, die zu etabliert sind als dass man sie einfach verspotten könnte, ohne sich allzu sehr angreifbar zu machen. Der unkritische Umgang mit dem Islam in Deutschland einerseits und der verächtliche Umgang mit den Hindu-Gurus andererseits erklären sich aus solch einer opportunistischen Haltung. Denn jene Gurubewegungen wie Ananda Marga, Bhagwan, TM, Hare Krishna, Sri Chinmoy etc., auf die sich die Sektenhysterie nach der Selbstverbrennungsaktion fokussierte, wurden im Wesentlichen deshalb verspottet, weil sie fremd erschienen. Heute sind sie weiterhin aktiv, aber kaum jemand interessiert sich für sie, weil man sich mittlerweile vollständig an den religiösen Pluralismus gewöhnt hat. Damals hätte sich wohl auch kaum jemand für sie interessiert, wenn nicht gewisse Kirchenvertreter in ihnen eine Gefahr für die eigene Kirche gesehen hätte. Kaum ein solcher Weltanschauungsbeauftragter käme jedoch auf die Idee in der Ausbreitung des Islam und zunehmenden Übertritten zum Islam eine entsprechende Gefahr zu sehen, abgesehen von dem eingangs erwähnten Außenseiter Weißelberg, der sich aus ebendieser Sorge verbrannt hat. Vielmehr erscheint der Islam, wie er sich gegenwärtig in Deutschland präsentiert, insgeheim als Vorbild, weil er scheinbar eine in sich geschlossene religiös geprägte Kulturgemeinschaft bildet, wie manch ein Kirchenvertreter sie sich auch für das christliche Abendland zurückwünscht, deswegen soll man dieser „Kultur“ mit Respekt begegnen. Bei den frommen Hindus in Deutschland lässt sich so etwas nicht recht konstruieren, weil es sich dabei weniger um eine eingewanderte „Kultur“ handelt, sondern eher um individuell gewählte Spiritualität, die sich in kleinen Gemeinschaften, eben Sekten, organisiert.

Was hier steht, nämlich dass die kirchlichen Sektenbeauftragten als objektive Experten gelten können, weil sie die Freiheit des Menschen achten, ist eine grobe Irreführung. Denn erstens können sie nicht als objektive Instanz agieren, wenn es ihnen gleichzeitig um Apologetik geht und zweitens kann keine Rede davon sein, dass die Gewissensfreiheit geachtet wird, wenn jeder als Kind Getaufte als Mitglied vereinnahmt wird und es bis vor nicht allzu langer Zeit nur gegen massive Widerstände möglich war auszutreten; dies durchaus, um sich die Einnahmequelle der Kirchensteuer zu sichern und dabei auch noch zu tricksen durch die Forderung von Nachzahlungen (dazu mehr in einem anderen Beitrag). Daher ist es nur zu begrüßen, wenn die etablierten Kirchen ihre Monopolstellung einbüßen und sie nicht mehr unhinterfragt als Wächter der Gesellschaft wahrgenommen werden, so dass jeder sich selbst von der Wahrheit überzeugen muss und nur der persönliche Glaube ausschlaggebend ist, um einer Glaubensgemeinschaft anzuhängen und nicht die gesellschaftliche Konformität und Tradition.

Dahinter steht letztendlich, dass diese Art von Kirchenvertretern nicht von mündigen Bürgern als Normalfall ausgehen, die Weltanschauungen prüfen und sich eigenverantwortlich entscheiden können, sondern von manipulierten Opfern, die Hilfe und Betreuung von Experten, nämlich von ihnen, brauchen, um sich orientieren zu können. Dabei nehmen sie natürlich für sich in Anspruch nicht manipulativ zu sein, sondern die persönliche Freiheit zu schützen. Im Grunde handelt es sich dabei um das selbe Denkmuster, das auch Verschwörungstheorien zu Grunde liegt, nämlich dass die anderen manipuliert sind, die eigene Gruppe aber im Besitz der Wahrheit ist und daher berufen die anderen aufzuklären. Dabei zeigt sich aber meistens, dass es den Verkündern solcher Wahrheiten keineswegs um den kritischen Verstand geht, sondern die Masse der Menschen wird als immer der Führung bedürftig angesehen; die Frage ist nur ob die richtigen oder die falschen Kräfte die Menschen führen. Demokratische und emanzipatorische Ideen sind in solchen Konstruktionen dann oft gerade Erfindungen der verschwörenden Mächte, der Freimaurer, der Juden etc. und wer solche Verschwörungstheorien hinterfragt, gilt dann als Agent der Verschwörer. Die Sektenbeauftragten, wie sich in den zitierten Quellen präsentieren, denken auf das religiöse und weltanschauliche Gebiet bezogen, offensichtlich nach diesem Schema, denn wie sollten sie sonst beanspruchen können, objektive Experten und als solche für die Gesellschaft unentbehrlich und gleichzeitig Verkünder einer eigenen Wahrheit zu sein? Wer dann wie Gerhard Besier deren Vorgehensweise hinterfragt, steht für manche Sektenjäger dann schnell im Verdacht ein Komplize von Sekten zu sein, wie man hier sehen kann: http://www.agpf.de/Besier.htm Hinter diesem dubiosen Verein „Aktion für Geistige und Psychische Freiheit“ steckt eben auch ein merkwürdiges Verständnis von Freiheit. Denn zur Freiheit gehört doch auch die Eigenverantwortung, sich selbst für eine Sache zu entscheiden, auch wenn sie Risiken birgt.

Perfide ist auch die Aussage, bestimmte Glaubensgemeinschaften würden auf karitative Einrichtungen verzichten, weil Werbung und Warnung der Mitmenschen wichtiger sei als jedes helfende Tun (http://www.ekbo.sekteninformation.de/10.html), wenn man bedenkt, dass die Amtskirchen ihre Einrichtungen nur deshalb in dem Umfang halten können, weil sie sich diese vom Staat bezahlen lassen. Da dies nun gar nicht so bekannt ist, entsteht eben der Eindruck, die Kirchen seien in erster Linie soziale Einrichtungen, denen man schon deshalb angehören muss, während Glaubensfragen dafür keine Rolle spielen müssen. Es wirkt so, dass diesen Apologeten es sogar entgegenkommt, da sie über ihren eigenen Glauben eigentlich nicht viel sagen müssen, sondern nur den Glauben der Konkurrenz auseinandernehmen zu brauchen und dieser auch noch vorwerfen können, dass diese in der Glaubenslehre ihre vorrangige Aufgabe sieht. Denn was die evangelischen Landeskirchen betrifft, so muss man ehrlich feststellen, dass sie in religiösen spirituellen Fragen kaum noch wahrgenommen werden, jedenfalls eine sehr untergeordnete Rolle spielen im Vergleich zur katholischen Kirche, den evangelikalen Bewegungen und den anderen Religionen.

Es fällt auf, dass bestimmte Gurus wie Sri Sri Ravi Shankar oder Sri Chinmoy international ziemlich angesehen sind. Letzterer wird auch von dem südafrikanischen Bürgerrechtler und anglikanischen Bischof Tutu geschätzt und hauptsächlich von den kirchlichen Sektenbeauftragten in Deutschland, vor allem Thomas Gandow, als Scharlan betrachtet: http://www.religionswissenschaft.info/2007/10/20/neuhinduistisch-religioser-lehrer-sri-chinmoy-verstorben/

Mittlerweile leistet Thomas Gandow sogar dem Staat Weißrussland, einem Staat, der eindeutig die Menschenrechte, auch die Religionsfreiheit verletzt, Hilfe bei der Bekämpfung von religiösen Minderheiten. http://www.christ-im-dialog.de/index.php?option=com_content&task=view&id=1937&Itemid=53

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